(1922 - 2003)
Blaga Dimitrova wurde in Bjala Slatina in der Gemeinde Vraca geboren. Sie absolvierte das klassische Gymnasium in Sofia und studierte slawische Philologie an der Sofioter Universität „Hl. Kliment Ohridski“ (1945). Im Jahre 1951 promovierte sie sich am Institut für Literatur „M. Gorki“ in Moskau mit einer Doktorarbeit zum Thema „Majakovski i bălgarskata poezija“ [„Majakovski und die bulgarische Lyrik“]. Als Dissidentin, die ihre Position öffentlich vertrat, beteiligte sie sich 1988 an der Gründung des Komitees für Umweltschutz in Russe sowie am Klub für die Unterstützung der Öffentlichkeit und der Umstrukturierung. Von 1992 bis 1993 war sie Vizepräsidentin der Republik Bulgarien.

Zeit ihres Lebens veröffentlichte Blaga Dimitrova Gedichtsammlungen, welche sie sehr beliebt machten und das Bild von ihr als eine Kunst schaffende Intellektuelle bestimmten: „Svetăt v šepa“ [„Die Welt in der hohlen Hand“], 1962; „Obratno vreme“ [„Umgekehrte Zeit“], 1965; „Verurteilt zur Liebe“, 1967; „Kak“ [„Wie“], 1974; „Gong. Izbrana poezija“ [„Gong. Ausgewählte Lyrik“], 1976; „Prostranstva“ [„Räume“], 1980; „Labirint“ [„Labyrinth“], 1987; „Meždu“ [„Zwischen“], 1990; „Nošten dnevnik“ [„Nächtliches Tagebuch“], 1992; , „Vremena“ [„Zeiten“], 2000, u.a.

Die Werke „Pătuvane kăm sebe si“ [„Reise zu sich selbst“], 1965, „Auf Umwegen“, 1967, „Strašnija săd. Roman-pătepis“ [„Das jüngste Gericht. Roman-Reisebericht“], 1968, und „Die Lawine“, 1971, begründeten eine neue Romanform in der bulgarischen Literatur, welche sich durch die Vermischung des Epischen mit dem Lyrischen, des Essayistischen mit dem Publizistischen, der Psychologisierung mit der öffentlichen politischen Satire auszeichnete. Der Roman „Lice“ [„Gesicht“], 1981, wurde beschlagnahmt und verboten. Aus Dimitrovas Feder stammen die Theaterstücke „Doktor Faustina“, 1972, „Nečakana srešta“ [„Unerwartete Begegnung“], 1974, „Bogomilkata“ [„Die Bogomilin“], 1989, sowie viele Essays wie zum Beispiel „Predizvikatelstva“ [„Herausforderungen“], 1991, und „Otsam i otvăd“ [„Diesseits und jenseits“], 1992. Zusammen mit J. Vasilev veröffentlichte sie zwei Bücher über E. Bagrjana: „Mladostta na Bagrjana i nejnite spătnici“ [„Die Jugend Bagrjanas und ihrer Zeitgenossen“], 1975, und „Dni černi i beli. El. Bagrjana – nabljudenija i razgovori“ [„Schwarze und weiße Tage. E. Bagrjana – Betrachtungen und Gespräche“], 1975. Zudem war sie auch als Übersetzerin aus dem Polnischen, Russischen und den skandinavischen Sprachen tätig und übertrug, zusammen mit A. Milev, Homers „Ilias“ ins Bulgarische (1969).

Blaga Dimitrova wurde mit vielen bulgarischen und internationalen Ehrungen ausgezeichnet, u.a. mit dem Orden „Stara planina“ (1. Rang), dem Preis des polnischen PEN-Clubs für Übersetzungen von A. Mickiewicz (1977), dem Preis „Lundqvist“ für Übersetzungen schwedischer Lyrik und dem Herder-Preis (1991). 1992 bekam sie den französischen Nationalverdienstorden („Ordre national du Mérite“, Klasse: Chavalier), 1999 den bulgarischen Nationalpreis „Christo G. Danov“ für ihr Gesamtschaffen.

Ihre Werke wurden von Barbara Antkowiak, Dagmar Burkhart, Thomas Frahm, Egon Hartmann, Wolfgang Köppe, Barbara Sparing und Rumjana Zacharieva ins Deutsche übertragen.

 

Suche im Kontext:
Alle Schreibarten; Димитрова, Блага ; Dimitrova, Blaga; Dimitrowa, Blaga